Auf dem Weg zur Gesamtkirchengemeinde
„Times there are a changing“ (Die Zeiten ändern sich) – sang schon Bob Dylan. Auch für die Landeskirche ändern sich die Zeiten, schnell und fundamental. Wir werden weniger an allen Ecken und Enden, die Zahlen sprechen für sich. So stehen im nächsten Planungszeitraum ab 2029 Kürzungen von mindestens 30 Prozent an. Außerdem macht sich der Fachkräftemangel auch in der Kirche drastisch bemerkbar. Die Region Südniedersachen betrifft dies besonders. Im kommenden Jahr wird mit bis zu 12 Vakanzen in unserem Kirchenkreis zu rechnen sein. Es gibt wenig bis gar kein Interesse bei Pastor*innen, sich auf Stellen hier zu bewerben. Ein Hindernis ist sicher die Kleinteiligkeit in den parochialen (pfarrbezirklichen) Gemeindestrukturen. Es muss sich Grundlegendes ändern, damit kirchliches Leben in unserer Region auch zukünftig stattfindet und Haupt- wie Ehrenamtliche mit Freude ihren Dienst tun können. Kirche ist in dieser Hinsicht neu zu denken und zu praktizieren. Die Weichen müssen neu gestellt werden. Wir müssen attraktiver werden. Insbesondere die regionale Zusammenarbeit rückt dabei in den Focus. Was also tun?
Bereits im vergangenen Jahr hatte Superintendentin Henking die Kirchenvorstände aus dem Bereich Alfeld zu einem Workshop eingeladen. Die aktuelle Lage und die sich abzeichnenden Entwicklungen wurden eingehend erörtert und nach Wegen in die Zukunft Ausschau gehalten. Ein Modell, das in unserem Kirchenkreis bereits im Saaletal existiert, ist das der Gesamtkirchengemeinde mit einer die Kirchenvorstände und Pastor*innen entlastenden Geschäftsführung. Es wurde von Pastorin Corinna Engelmann (Saaletal) und Herrn Markus Melzer (stellv. Leiter d. Kirchenamtes) vorgestellt. Wichtig ist dabei: Das kirchliche Leben vor Ort kann getragen und organisiert vorn Ortsräten weiter bestehen bleiben, ortsbezogene gemeindlichen Aktivitäten werden dadurch nicht eingeschränkt.
Dennoch: Für keine Gemeinde ist dies ein leichter Schritt. Es geht auch etwas zu Ende und das macht traurig. Aber neben der Einsicht in die Notwendigkeit wächst auch etwas: der Mut, die Ärmel hochzukrempeln, die Lust auf Neues und das Vertrauen, dass uns das Miteinander in eine gute Zukunft bringt. Am Ende geht es ja darum, unserem gemeinsamen Auftrag gerecht zu werden, nämlich das Evangelium zu verkünden.
Mittlerweile hat sich der Kreis erweitert. Zu einem Zusammenschluss sind außer St. Nicolai bereit: Friedenskirche Alfeld, Kirchengemeinde Am Reuberg (Gerzen-Warzen-Hohenbüchen), Kirchengemeinde Am Sackwald (Langenholzen/Sack/Hörsum/Eimsen), Kirchengemeinde St. Andreas und St. Urbani (Imsen-Föhrste-Wispenstein), St. Petri Röllinghausen. Offen ist noch, ob sich die Kirchengemeinde Limmer für den Zusammenschluss entscheidet.
Seit September hat es zwei Treffen einer Steuerungsgruppe aus Mitgliedern der Kirchenvorstände gegeben, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, einen gemeinsamen Weg zu finden und ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, damit ab 2027 die in unserer Region freien Stellen neu ausgeschrieben werden können. Wir freuen uns, dass wir mit Pastor i.R. Gert Stührmann einen erfahrenen Pastoraltheologen und Coach als externen Berater für diesen Prozess gewinnen konnten. Über den weiteren Beratungsprozess und seine Ergebnisse wird in den kommenden Gemeindebriefen informiert.
Bernd Ulrich Rüter, Pastor